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Deutschland will bis 2030 jedes Gebäude mit Glasfaser erschließen – doch der Weg dahin ist für Kommunen oft frustrierend. Genehmigungen, Nachweispflichten, widersprüchliche Förderlogiken: Der Ausbau stockt nicht wegen fehlender Technik, sondern wegen zu viel Bürokratie.

Kai Seim ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter bei seim & partner und beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit der Planung von Glasfasernetzen und der zugehörigen Bürokratie im geförderten Breitbandausbau. Die Anforderungen in diesem Bereich sind in den letzten Jahren stetig gewachsen – und damit auch der Frust über Hürden, Kontrollen und ineffiziente Prozesse. Das Ziel einer hundertprozentigen Glasfaserversorgung bis 2030 sieht Seim daher in Gefahr.
Seiner Hochrechnung zufolge sind von 2020 bis 2025 für abgeschlossene Projekte rund 1,35 Milliarden Euro allein in förderbedingte Bürokratie geflossen – statt in Leitungen, Tiefbau oder Hausanschlüsse. Das entspricht etwa 9 % dieser Förderprojekte. Für kommunale Haushalte ist das eine bittere Zahl – denn diese Kosten erzeugen keinen einzigen zusätzlichen Anschluss.
Was Kommunen täglich erleben
Wer Breitbandprojekte begleitet, kennt die Probleme:
- Markterkundungsverfahren, die jährlich wiederholt werden müssen
- mehrere Förderlogiken (weiß, hellgrau, dunkelgrau), die im selben Ort zu unterschiedlichen Regeln führen
- technische Vorgaben, die ausnahmslos geprüft, aber fast immer genehmigt werden – also eigentlich gar keine Vorgaben sein müssten
- extrem kleinteilige Nachweisprozesse, die zwischen Ländern, Kommunen und Bund hin‑ und hergeschoben werden
Das Ergebnis: Kommunen verlieren Zeit beim Glasfaserausbau – und manchmal auch die Geduld ihrer Bürgerinnen und Bürger.
Was sich ändern müsste, um den Ausbau zu beschleunigen
In seinem Paper „Weniger Bürokratie im (geförderten) Breitbandausbau“ macht Kai Seim Vorschläge, was geändert werden sollte, um schneller das Ziel des flächendeckenden Ausbaus zu erreichen:
- Förderprogramme radikal vereinfachen: Ein Programm statt vier und Mut zur Pauschale, denn statt
Einzelfallprüfungen werden klare, einfache Regeln benötigt. - Materialkonzept an die Realität anpassen: Kleinere Leerrohrverbände, geringere Faserdimensionen und Ausnahmen zur Regel machen, denn wenn 90 Prozent der Ausnahmen ohnehin genehmigt werden, ist die Regel unnötig.
- Bürokratie abbauen und Vertrauen aufbauen: Durch mehr Vor-Ort-Kontrollen und gleichzeitig weniger Papierkrieg. Wenn vor Ort geprüft wird, statt vorher und nachher Akten zu wälzen, spart das Zeit und Geld, weil Probleme direkt behoben werden können.
- Genehmigungsverfahren beschleunigen: Es müssen digitale Standards festgelegt werden. Wenn Geodaten und SHP-Formate alles abbilden können, sollte die Einreichung von PDFs überflüssig sein. Hinzu kommt die Einführung neuer, zentraler Register, z.B. für Kampfmitteldatenbanken, um doppelte Abfragen zu vermeiden.
- Die Güterabwägung zwischen Naturschutz und Infrastrukturmodernisierung muss grundsätzlich entschieden werden, nicht im Einzelfall. Wenn Infrastrukturausbau priorisiert werden soll,
weil er dem Klimaschutz dient, sollte er durch z.B. Artenschutzgutachten nicht blockiert werden können. - Grundgesetz reformieren: Die Zersplitterung der Verwaltungskompetenzen ist verfassungsrechtlich verankert. Wenn wir wirklich Digitalisierung und Einheitlichkeit von Verwaltung wollen, müssen wir das Grundgesetz ändern – sonst bleibt alles beim Alten.
Kai Seim ist überzeugt: „Wir müssen aufhören, uns mit Kleinigkeiten aufzuhalten, während das große Ziel – 100 % Glasfaser bis 2030 – in die Ferne rückt. Wir brauchen weniger nachträgliche Kontrolle und mehr Vertrauen, weniger Bürokratie und mehr Mut zur Vereinfachung. Wenn wir so weitermachen, werden wir 2030 nicht 100 % Glasfaserquote, sondern vielleicht 70 % erreichen. Das wäre ein verschenktes Jahrzehnt.“
Was Kommunen jetzt schon tun können
Auch wenn vieles auf Bundes- und Landesebene hängt: Kommunen sind Schlüsselakteure. Ihre Entscheidungen bestimmen Tempo, Qualität und Akzeptanz des Ausbaus. Konkrete Hebel, die aus Sicht von Kai Seim sofort wirken, sind:
- Projekte bündeln: kleine Projekte dauern länger, kosten mehr und erzeugen unverhältnismäßigen Verwaltungsaufwand.
- Bauweisen zulassen, statt zu verbieten: Freileitungen, Trenching, Pressbohrungen – alles Optionen zur Kosten- und Zeitersparnis.
- Professionelles Projektmanagement einfordern – und externe Expertise nutzen, wenn intern Kapazitäten fehlen.
- Konsequent auf Vollerschließung setzen: Wenn ein Gebiet ausgebaut wird, dann bitte richtig – inklusive Reserve für Neubaugebiete.
Fazit: Bürokratie abbauen heißt Zukunft bauen
Wenn Kommunen, Planer, Netzbetreiber und Politik mutig vereinfachen, kann der Glasfaserausbau das werden, was er sein soll: ein Turbo für lokale Entwicklung, wirtschaftliche Stärke und digitale Daseinsvorsorge, denn auch hier gilt: Zeit ist Geld.
Kontakt:
seim & partner
Bahnhofstraße 67
65185 Wiesbaden
Ansprechpartner: Kai Seim, Geschäftsführender Gesellschafter
Tel.: 0611-95011900
Email: info@seim-partner.de
www.seim-partner.de

