Verbände fordern Weichenstellungen im Breitbandausbau

Glasfaserausbau: Die Einhaltung grundlegender Qualitätsstandards ist ein Thema, dem sich die Verbände HDB, RBV und insbesondere die GLT mit ihrem RAL-Gütezeichen 962 widmen. - Foto: ThomBal/Shutterstock

Wie kann ein schneller und hochwertiger Ausbau des Glasfasernetzes in Deutschland gelingen? Dazu haben der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und der Rohrleitungsbauverband Leitgedanken und Zielsetzungen formuliert.

Als hochentwickelte Industrienation ist Deutschland in den nächsten Jahren darauf angewiesen, eine leistungsfähige Kommunikationsstruktur aufzubauen. Das dafür neu zu errichtende Glasfasernetz stellt die Nervenbahnen der Digitalisierung dar und hat einen entscheidenden Anteil am Internet der Dinge, an zukünftigen Produktionsverfahren, einer intelligenten Logistik und am autonomen Fahren. Um für diese Megatrends die notwendigen technischen Voraussetzungen zu schaffen, gilt es zunächst planungs- und bauseitig die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen. Die Bundesfachabteilung Leitungsbau (BFA LTB) im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und der Rohrleitungsbauverband (RBV) haben hierfür wichtige Leitgedanken und Zielsetzungen formuliert, die von der Gütegemeinschaft Leitungstiefbau (GLT) gestützt werden.

Neue Infrastruktur im Eiltempo: Die enorme Bedeutung des Glasfasernetzes korrespondiert mit dem gewaltigen Aufwand, der zu leisten ist, um die Kabel nachhaltig in die Erde zu bringen. Über das gesamte Gebiet der Bundesrepublik Deutschland soll innerhalb weniger Jahre ein neues Netz gelegt werden. Neben den schon vorhandenen Leitungssystemen für Gas, Trinkwasser und Abwasser, Fernwärme oder Strom gibt es dann ein digitales Lichtnetz – mit dem wichtigen Unterschied, dass all die anderen Netze in Jahrzehnten entwickelt und gebaut worden sind.

Anforderungen für den Ausbau: Die Anforderungen sind hoch, der Zeitdruck ist es auch. Leitungsbauunternehmen arbeiten derzeit mit höchster Intensität daran, mangelnde personelle Kapazitäten aufzustocken und fehlendes Know-how aufzubauen, um ihren Beitrag an der Mammutaufgabe „Schnelles Internet“ zu leisten. Vor dem Hintergrund parallel anstehender Arbeiten für die Realisierung etlicher Kilometer von Gleichstromtrassen sowie dem Umstand, dass vorhandene Gas-, Trinkwasser-, Strom- oder Abwasserinfrastrukuren in erheblichem Umfang sanierungsbedürftig sind, ist entsprechendes Handeln auch auf Seiten der Kommunen, Planer und Telekommunikationsunternehmen erforderlich.

Optimierung der Ressourcen: Um den vielfältigen Anforderungen beim schnellen Ausbau des Glasfasernetzes in einem infrastrukturellen Gesamtkontext optimal Rechnung zu tragen, gilt es, die Kommunikation und Interaktion von Breitbandversorgern und bauausführenden Unternehmen zu optimieren. Verbesserte Ausschreibungsunterlagen und beschleunigte Genehmigungsverfahren im Rahmen einer ganzheitlichen, strategischen Herangehensweise sind grundlegend für den flächendeckenden Breitbandausbau.

Auch die Einhaltung grundlegender Qualitätsstandards ist ein wichtiges Thema, dem sich HDB, RBV und insbesondere die GLT mit ihrem RAL-Gütezeichen 962 intensiv widmen. Die aktuell diskutierten untiefen Verlegekonzepte, Stichwort „Trenching“, oder die Nutzung vorhandener Infrastrukturen beispielsweise sind Nischenverfahren, die ihre Wirkung nur in einem sehr begrenzten technischen Rahmen entfalten können und somit für einen flächendeckenden Ausbau aufgrund drohender Spätschäden und damit einhergehender Folgekosten nicht in Frage kommen.

Kooperation als Schlüssel zum Erfolg: Der Glasfaserausbau ist eine gewaltige Herausforderung. Er benötigt kluge politische Entscheider, engagierte Auftraggeber, sorgfältige Planer, erfahrene Leitungsbauunternehmen und qualifizierte Verfahren. Auf der Basis einer gut funktionierenden Zusammenarbeit dieser Player wird am Wirtschaftsstandort Deutschland in nur wenigen Jahren eine leistungsfähige digitale Infrastruktur zur Verfügung stehen. Voraussetzung hierfür aber ist eine gelebte Kooperation von Auftraggebern und Leitungsbauunternehmen, um Menschen und Maschinen nachhaltig effizient einzusetzen. Wenn Auftraggeber und deren beauftragte Ingenieurbüros Leitungsbauunternehmen so früh wie möglich mit in die Planung einbinden, werden Planungsfehler vermieden und Bauunternehmen in die Lage versetzt, ihre Kapazitäten zu planen und zeitgerecht zur Verfügung zu stellen. Das kommt allen zugute.

Andreas Burger

Der Autor
Andreas Burger ist Vorsitzender der Bundesfachabteilung Leitungsbau im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, Berlin