Starkregen im Alltag: Was Verkehrsflächen heute leisten müssen

Verkehrs- und Aufenthaltsflächen sollten so geplant werden, dass Niederschlagswasser vor Ort versickern oder zwischengespeichert werden kann. In Wittenberg und München zeigen wasserdurchlässige Flächenbefestigungssysteme, was sie in der Praxis leisten können.

Starkregen Verkehrsflächen Wasser
Ein Parkplatz, der mit dem TTE®-System ausgestattet ist, das die Versickerung von Niederschlagswasser ermöglicht. Foto: HÜBNER-LEE

Wenn Regen fällt, entscheidet oft die Oberfläche darüber, ob Wasser zum Problem oder zur Ressource wird. Versiegelte Beläge beschleunigen den Abfluss, überlasten Entwässerungssysteme und entziehen dem Boden Wasser.

Gerade in Städten wird der Umgang mit Starkregen damit zur Frage der Alltagstauglichkeit. Verkehrs- und Aufenthaltsflächen müssen stabil und belastbar sein – und zugleich so geplant werden, dass Niederschlagswasser vor Ort versickern oder zwischengespeichert werden kann. Projekte in Wittenberg und ein Sonderfall in München zeigen, wie sich Befestigung, Wasserrückhalt und in sensiblen Wurzelbereichen auch Baumschutz verbinden lassen.

Wittenberg: Anliegerstraßen ohne Kanal

In Wittenberg wurden seit 2014 mehrere kommunale Einsatzbereiche mit Varianten des TTE®-Systems von HÜBNER-LEE umgesetzt, darunter Straßen im Wohnumfeld und stark frequentierte Aufenthaltsflächen. Das TTE®-System besteht aus 100 Prozent Post-Consumer-Recyclingkunststoff, verteilt Lasten flächig und ermöglicht eine wasserdurchlässige, unversiegelte Oberfläche. Durch den kraftschlüssigen Verbund der modularen Platten kann die erforderliche Aufbaustärke je nach Anwendung um rund 50 % gegenüber konventionellen Bauweisen reduziert werden.

Die Lutherstadt Wittenberg setzte das TTE®-System in Anliegerstraßen als Mischverkehrsflächen ein. Zunächst standen wirtschaftliche Gründe im Vordergrund: „Es ging vor allem darum, die Kosten für die Kommune und den Anwohner in überschaubarem Rahmen zu halten“, hieß es in einem Referenzschreiben der Stadt aus dem Jahr 2021. Zudem konnte auf eine herkömmliche Kanalisation verzichtet werden, da Flächen für offene Entwässerung und Versickerung fehlten.

Belastbare und versickerungsfähige Anliegerstraßen mit Speicherwirkung

Bislang wurden Anliegerstraßen mit insgesamt über 10.000 m² realisiert. Die versickerungsfähige TTE®-Bauweise hat sich im Betrieb auch bei Starkregen bewährt: Während es in Teilen des Straßenraums zu oberflächlichen Wasseransammlungen kam, wurde Niederschlagswasser in den TTE®-Bereichen aufgenommen und Abflüsse konnten reduziert werden.

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Ein weiteres Beispiel für die Gestaltung von Flächen mit dem TTE®-System. Foto: HÜBNER-LEE

Fachlich relevant ist die Kombination aus Infiltration und Speicherwirkung im Systemaufbau. Laut Hersteller erreicht die versickerungsfähige Ausführung eine Infiltrationsleistung von 328.000 l/(s·ha). Ergänzend steht durch eine rigolenartige Tragschicht ein Wasserspeicher von > 100 l/m² zur Verfügung. Für die in Wittenberg realisierten Flächen ergibt sich überschlägig ein Rückhaltevolumen von > 1.000 m³ (≈ 1 Million Liter Regenwasser).

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Auch große Flächen wie Fest- und Parkplätze können mit dem TTE®-System zur Starkregenvorsorge ausgestattet werden. Foto: HÜBNER-LEE

Auch bei regelmäßiger Belastung durch kommunalen Schwerlastverkehr bestätigt die Stadt die Alltagstauglichkeit. Die lastverteilende Funktion des Verbundsystems sei bei schwereren Fahrzeugen (Müllentsorgung) gut zu erkennen. Der Untergrund gibt federnd nach und kehrt in seine ursprüngliche Lage zurück.

Baumschutz unter außergewöhnlicher Belastung

Ein Projekt in München bei der Modernisierung des U-Bahnhofs Sendlinger Tor (MVG, ab 2015/16) zeigte, wie Flächenbefestigung auch zum Schutz grüner Infrastruktur beitragen kann. Am stark belasteten Verkehrsknotenpunkt (40.000–50.000 Fahrzeuge täglich) wurden während der Bauphase temporäre Verkehrsflächen benötigt, die zugleich den Baumschutz sicherstellen mussten. Die Umleitung verlief im Wurzelbereich eines alten Platanenbestands, wo ein konventioneller Straßenaufbau wegen Versiegelung und Einbautiefe nicht möglich war.

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Das TTE®-System erleichtert auch den Baumschutz – wie am Sendlinger Tor in München. Foto: HÜBNER-LEE

Gefordert war daher eine Lösung mit geringer Eingriffstiefe, hoher Lastverteilung sowie Luft- und Wasseraustausch im Wurzelraum. Die Bauweise blieb über mehr als sechs Jahre in Nutzung, hielt den Belastungen stand und schützte die Wurzeln vor zusätzlicher Verdichtung.

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Flächenbefestigung als Baustein der Klimaanpassung

Wittenberg und München stehen für unterschiedliche Maßstäbe, aber eine gemeinsame Richtung: Verkehrs- und Aufenthaltsflächen können, je nach Aufbau, Versickerung, Wasserrückhalt und den Schutz sensibler Grünstrukturen verbinden. Damit wird Flächenbefestigung zunehmend als Teil blau-grüner Infrastruktur verstanden.

Für begrünte Ausführungen wie TTE® GRÜN kommt neben Versickerung und Wasserrückhalt auch die Regenwasserbehandlung hinzu: Niederschlagswasser versickert dezentral über eine belebte Bodenzone, in der Schadstoffe gebunden oder abgebaut werden können. Der Substrataufbau unterstützt zudem Wasserspeicherung und Verdunstung und kann so zur Abkühlung beitragen. In Messreihen wurde eine Temperaturverbesserung von durchschnittlich 5,9 °C gegenüber Asphalt festgestellt.

Kontakt:

HÜBNER-LEE GmbH & Co. KG
Gewerbestrasse 1
87752 Holzgünz
Ansprechpartner: Lukas Tangermann
Tel.: 08393 9229-70
E-Mail: tte@huebner-lee.de
www.huebner-lee.de