Privatunternehmen treiben nicht den Preis

Wasseruhr: Seit einigen Jahren ist eine privatwirtschaftliche Beteiligung an der Trinkwasserversorgung möglich.

In den letzten Jahrzehnten ließ sich in der Trinkwasserversorgung eine Verlagerung von Leistungen in den privaten Sektor beobachten. Dies führte zu der Annahme, dass private Unternehmen bevorzugt eigene Ertragsziele anstreben. Eine Studie der Universität Leipzig widerlegt nun diesen Verdacht.

Liberalisierung, Deregulierung und Privatisierung sind zunehmend die bestimmenden Schlagworte im öffentlichen Wirtschaften. Dies betrifft auch den Bereich der Trinkwasserversorgung. Viele Bürger befürchten, dass private Unternehmen verstärkt eigene Ertragsziele vor öffentliche Versorgungsansprüche stellen, was sich negativ in höheren Preisen oder minderwertigerer Qualität niederschlagen könnte.

Diese Befürchtung hat das Kompetenzzentrum Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge an der Universität Leipzig in einer Studie widerlegt. Die Analyse beschäftigte sich mit der Preisentwicklung in der deutschen Trinkwasserversorgung sowie der Frage, welchen Einfluss die Gesellschafterstruktur, somit die privaten Anteilseigner, auf die Preise ausübt. Untersucht wurde die Trinkwasserversorgung in den 100 größten deutschen Städten im Zeitraum von 2009 bis 2015.

Das Ergebnis der Studie zeigt, dass sich ein Einfluss der privatwirtschaftlichen Beteiligung in der Wasserversorgung auf die Gestaltung der Wasserpreise und deren Erhöhung nicht bestätigen lässt. Andererseits kann auch eine Gegenthese nicht verifiziert werden. Privatwirtschaftliches Engagement in einem Wasserversorgungsunternehmen führt demnach nicht automatisch zu Effizienzgewinnen.

Oliver Rottmann, Vorstand des Kompetenzzentrums, fasst zusammen: „Mit Blick auf eine Versachlichung der häufig rein ideologisch geführten Debatte über öffentliche, gemischtwirtschaftliche und private Aufgabenerfüllung in der Daseinsvorsorge liefert die Studie wertvolle empirische Indizien.“

Info: Ausführlichere Informationen zur Studie gibt es auf der Internetseite von Oliver Rottmann. Er ist Vorstand des Kompetenzzentrums Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge der Universität Leipzig.