Grün gegen Hitze: Wie sich Kommunen klimafit machen

Hitzewellen und Temperaturrekorde – Stadtgrün hilft, die Folgen des Klimawandels abzumildern. Foto: BGL

– ANZEIGE – Drei Fragen an Jan Paul, Experte für Stadtgrün: 

Jan Paul ist Sprecher der Initiative „Grün in die Stadt“ und Vizepräsident des Bundesverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau. Foto: BGL/Martin Rottenkolber

Herr Paul, auch in diesem Jahr haben wir bereits in vielen Regionen Deutschlands extreme Hitze erlebt. Ein Temperaturrekord jagt den nächsten. Sie plädieren mit der Initiative „Grün in die Stadt“ für mehr urbanes Grün – unter anderem, um den steigenden Temperaturen zu begegnen. Wie kann Stadtgrün gegen Hitze wirken?

Unsere Städte heizen sich im Sommer zunehmend auf. Sogenannte Hitzeinseln in Städten entstehen vor allem durch Flächenversiegelung – ein Hauptproblem der Urbanisierung. Durch Grünflächen sowie begrünte Dächer und Fassaden kann der Versiegelung entgegengewirkt und somit auch die Hitzeentwicklung reduziert werden. Dafür wollen wir mehr Bewusstsein schaffen. Ziel unserer Arbeit ist es, die Bedeutung von grüner Stadtentwicklung in Zeiten des Klimawandels aufzuzeigen.

Wie sehen Sie die Entwicklung in den deutschen Kommunen bei der Verbesserung des Stadtklimas?

Wir sind in vielen deutschen Regionen bereits auf einem guten Weg. Die Gemeinden engagieren sich aktiv, auch da sie die Folgen der Klimakrise unmittelbar spüren. Aber wir lassen auch noch viel Potential liegen – oftmals aufgrund fehlender finanzieller Ressourcen in den Kommunen. Dabei ist klar: Klimaschutz und weniger Hitze im Hochsommer gibt es nur mit mehr Grün in den Städten. Stadtgrün ist kein Luxus, es ist lebenswichtig. Wir brauchen dringend mehr davon – als kühlenden Ausgleich bei Extremtemperaturen aber auch als Versickerungsflächen. Denn mit den zunehmenden Hitzewellen gehen immer öfter auch Starkregenereignisse mit Überschwemmungen einher. Nur mit Stadtgrün können wir die Lebensqualität in unseren Städten sichern.

Wie unterstützt „Grün in die Stadt“ Kommunen bei dieser Mammutaufgabe?

„Grün in die Stadt“ versteht sich als Informationsplattform und Partner in der kommunalen Grünentwicklung. Bund und Länder stehen den Kommunen mit Städtebauförderprogrammen zur Seite. Diese Programme beinhalten oftmals Aspekte der Grünentwicklung – sie müssen nur gefunden und richtig eingesetzt werden. Da kommen wir ins Spiel. Wir unterstützen als Experten schnell und unkompliziert dabei, die passenden Förderprogramme zu finden.

Blick ins Nachbarland Österreich:
Die aspern Seestadt in Wien ist eine „Schwammstadt“

Wie grüne Stadtplanung aussehen kann, zeigt das Beispiel der Seestadt Aspern in Wien. Auf etwa 240 Hektar entsteht hier ein neuer, moderner Stadtteil. Das Areal zeichnet sich durch seine großzügigen und miteinander vernetzten Grün- und Freiflächen aus. Mittendrin liegt ein etwa sechs Hektar großer See, der dem neuen Stadtteil den Namen Seestadt gibt. Die blau-grüne Infrastruktur, also das Netzwerk aus natürlichen und naturnahen Flächen, zieht sich durch das gesamte Quartier.

Begrünte Dächer und Stadtbäume verbessern dabei nicht nur durch Verdunstung und Beschattung das Mikroklima vor Ort, sondern dienen gleichzeitig dem integrativen Regenwassermanagement. Denn ganz im Sinne des „Schwammstadt-Prinzips“ wird Niederschlagswasser in der Seestadt dorthin geleitet, wo es gebraucht wird. So wurden unter anderem 20.000 Quadratmeter Straßenfläche mit einer unterirdischen, wasserspeichernden Schwammschicht ausgestattet. Das zurückgehaltene Wasser steht den Stadtbäumen zur Verfügung, kann von ihnen aufgenommen werden und über deren Blätter wieder verdunsten.

So wappnet sich die Stadt für heiße Sommertage genauso wie für Starkregenereignisse. Kein Wunder also, dass Wien jüngst mit dem Europäischen Stadtbaum-Preis ausgezeichnet wurde.

So kann’s gehen: die Seestadt Aspern in Wien folgt als grünes Quartier dem „Schwammstadt-Prinzip“. Foto: aspern Seestadt/Daniel Hawelka

Förderprogramme für grünere Städte

Jedes Jahr stellt der Bund Fördermittel für die Stadtentwicklung in Millionenhöhe zur Verfügung, um Städte und Gemeinden in der Gestaltung und Entwicklung funktionaler und gesunder Lebensräume zu unterstützen. Seit 2021 sind die Bund- und Länderprogramme für Städtebauförderungen einfacher, flexibler und grüner. Drei inhaltliche Schwerpunkte fokussieren sich auf aktuelle stadtentwicklungspolitische Herausforderungen:

• Lebendige Zentren – Orts- und Stadtkerne erhalten und entwickeln
• Sozialer Zusammenhalt – Zusammenleben im Quartier gestalten
• Wachstum und nachhaltige Erneuerung – Lebenswerte Quartiere schaffen

Welche Programme es gibt und für welche Projekte und Regionen sich diese eigenen lesen Sie unter
www.gruen-in-die-stadt.de/finanzieren

Die Initiative „Grün in die Stadt“ –  getragen vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL) – wendet sich als Dialog- und Austauschplattform an alle, die sich für das Thema Stadtgrün interessieren. Kommunale Entscheidende werden zugleich unterstützt, die für sie passenden Förderprogramme schnell und unkompliziert zu finden.

www.gruen-in-die-stadt.de/