Baumpflege in Zeiten zunehmender Trockenheit

Wässern hilft – zunehmend werden aber Baumarten benötigt, die langanhaltende Hitze und Trockenheit überstehen. Foto: Pflanzenschutzamt Berlin

Immer trockenere und heißere Sommer belasten die Stadtbäume. Um den Bestand zu schützen, erstellt das Berliner Pflanzenschutzamt Empfehlungen für die Bewässerung und für weitere Anpassungen an das veränderte Klima.

Zur Verbesserung des Pflegezustandes bedarf es kurzfristiger Maßnahmen, zum Beispiel zusätzliches Wässern in Phasen hoher Trockenheit und Hitze. Während sich die Altbäume in der Regel versorgen können und mittelalte Bäume nur bei sehr großer Hitze und Trockenheit zusätzliches Wasser benötigen, sind Jungbäume auf eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr angewiesen. Sie müssen im Frühjahr tiefgründig gewässert und eventuell gedüngt werden, um ihnen einen guten Start ins Jahr zu ermöglichen. Dabei sollten folgende Hinweise beachtet werden:

  • Ein Jungbaum (Stammumfang 25 Zentimeter) benötigt zweimal im Monat 75 bis 100 Liter Wasser, in Trockenzeiten deutlich mehr. Wird zu oft mit sehr kleinen Wassermengen gegossen, bilden sich die Wurzeln nur oberflächlich aus und wachsen nicht in die Tiefe. So kann sich der Baum später nicht selbst mit Wasser versorgen.
  • Die Wurzeln dürfen nicht durch einen harten Wasserstrahl freigespült werden.
  • Wird zu viel gegossen, vernässt der Standort. In der Folge leiden die Wurzeln unter Sauerstoffmangel.

Pflege und Forschung

Die „Bodenfeuchteampel“ des Berliner Pflanzenschutzamts gibt Auskunft darüber, ob Bewässern ratsam ist. Sie basiert auf einem Berechnungsmodell der nutzbaren Feldkapazität (nFK) sandiger Bodenarten, wie sie im Berliner Stadtgebiet weit verbreitet sind. Exemplarisch wurde hierfür die Bodenart Sl3 (mittel lehmiger Sand) für eine modellbasierte Diagrammdarstellung ausgewählt.

Es handelt sich dabei um ein Prognosemodell, dessen Datengrundlage sich aus den aktuellen sowie den prognostizierten Wetterdaten am Standort Tempelhof speist (Temperatur, Niederschlag, relative Luftfeuchte, Windgeschwindigkeit, Globalstrahlung, thermische Himmelsstrahlung) und aus der natürlichen Wasserhaltefähigkeit der entsprechenden Bodenart. Das Prognosemodell berechnet die pflanzenverfügbare Bodenfeuchte immer eine Woche voraus.

Das wöchentlich aktualisierte Diagramm gibt Aufschluss über die pflanzenverfügbare Bodenfeuchte im Berliner Raum bis in eine Tiefe von 85 Zentimeter am Beispiel der Winterlinde (Tilia cordata) an einem innerstädtischen und unbewässerten Standort. Es dient als Entscheidungshilfe, ob eine zusätzliche Bewässerung von Gehölzen und Pflanzenbeständen notwendig ist.

Resiliente Straßenbäume

Immer mehr zu wässern ist jedoch auf Dauer keine Lösung, auch wegen des hohen Finanzbedarfs. Deswegen setzt Berlin auf eine bessere Pflege, auf klimarobuste Arten und mehr Raum für Stadtgrün. Für die Zukunft werden Baumarten benötigt, die während langanhaltender Hitze und Trockenheit überleben können. Das erfordert langjährige Forschungen.

In Berlin werden dazu bereits Straßenbaumtests durchgeführt, unter anderem im Rahmen der Testreihe des Arbeitskreises Stadtbäume der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK). Das Ziel ist es, einen resilienten Straßenbaumbestand zu entwickeln, der eigenständig die zunehmende Hitze, Trockenheit und UV-Strahlung übersteht. Martin Schreiner

Der Autor: Martin Schreiner ist Mitarbeiter des Pflanzenschutzamtes Berlin, Abteilung Stadtgrün.