Multifunktionale Straßenleuchte

Mehr als Licht: Die LED-Leuchte mit Smight-Technologie in Eggenstein-Leopoldshafen integriert mehrere Zusatzfunktionen wie zum Beispiel Notruf und Stromladen für E-Fahrzeuge. - Foto: EnBW

Vier innovative Straßenlaternen im Landkreis Karlsruhe spenden mehr als nur LED-Licht. In die Masten integriert sind WLAN-Router, Notrufmelder sowie Sensoren, die wichtige Umwelt- und Verkehrsdaten erfassen, aufzeichnen und weiterleiten. Die Technologie hat der Energieversorger EnBW entwickelt.

Die neuen LED-Straßenleuchten auf dem Gelände einer Wohnanlage für Flüchtlinge in Eggenstein-Leopoldshafen (Baden-Württemberg) sowie entlang eines Geh- und Radwegs zwischen dem Ort und dem Campus des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) bieten besonderen Komfort. Die drei im November 2016 installierten Leuchten spenden bei Dunkelheit sanftes Licht und sind darüber hinaus mit einer Vielzahl weiterer Funktionen ausgestattet, unter anderem mit WLAN-Routern. Fußgänger und Radfahrer können sich bei einem Stopp schnell ins Internet einloggen, um zum Beispiel Straßenkarten oder Radrouten aufs Smartphone zu laden.

Jede Leuchte verfügt daneben über einen Notrufknopf, über den man direkt mit der Notrufzentrale des Deutschen Roten Kreuzes verbunden wird. Ein Blinklicht an der Spitze des Leuchtenmastes macht im Falle eines Falles von Weitem auf den Ort des Notrufs aufmerksam. Außerdem verfügen die Masten über Messtechnik, mit der sich Umweltdaten wie Luftqualität, Kohlendioxid-Gehalt oder Temperatur erfassen lassen.

Smart City und Licht zusammengedacht

Die multifunktionalen Staßenleuchten tragen den Namen „SM!GHT“, der sich aus den Begriffen Smart, City und Light zusammensetzt. Entwickelt wurden sie am Karlsruher Innovationscampus, dem Start-up des Energiekonzerns EnBW. Die Fertigung erfolgte im nahegelegenen Graben-Neudorf und die erstmalige Aufstellung in Kooperation mit dem Landkreis Karlsruhe. Der Standort bei den neu errichteten Wohneinheiten bot sich an, weil die Räume nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Studierende des KIT im Rahmen eines gemeinsamen Wohnprojekts nutzen könnten.

„Hightech-Unternehmen sind bei uns ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und viele von ihnen leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energieeffizienz“, begründet Landrat Dr. Christoph Schnaudigel, warum die Wahl auf das neuartige Produkt gefallen ist. Überzeugend sei die multifunktionale Ausstattung der Leuchten. Die Bereitstellung eines leistungsfähigen Zugangs zum Internet auch an Orten, bei denen das bislang nicht möglich war, sei ein wichtiger Beitrag zu einer noch besseren Mobilität.

Gemeinsam mit der Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen hat die Kreisverwaltung die multifunktionalen Leuchten nach den Bedürfnissen vor Ort konfiguriert, was sich aufgrund des Baukastenprinzips einfach gestaltet. Die auf dem Gelände der Wohnunterkunft positionierte Leuchte ist am umfangreichsten ausgestattet: Neben dem eingebauten WLAN-Router, über den sich die 100 Bewohner der Unterkunft schon heute kostenlos ins Internet einloggen können, wurde diese Leuchte zusätzlich mit Ladetechnik für Elektrofahrzeuge ausgerüstet. An zwei Steckdosen lassen sich sowohl E-Autos wie auch Pedelecs aufladen. Das Laden soll kostenlos sein, eine automatische Abrechnung wäre aber genauso möglich, da sich alle Daten per Funk an einen Zentralrechner übertragen lassen.

Die Smart-City-Technologie der Leuchte spielt auch innerhalb des bundesweiten Klimaschutzprogramms „50 Kommunale Klimapartnerschaften“ eine Rolle. In dessen Rahmen engagieren sich der Landkreis Karlsruhe und die brasilianische Stadt Brusque gemeinsam für die Schonung der Ressourcen und den Schutz der Umwelt. Als eines von mehreren Projekten ist geplant, die Straßenbeleuchtung der befreundeten Stadt mit der intelligentenTechnologie und sparsamen LED-Modulen auszustatten.

Dabei kommt der Messtechnik eine besondere Bedeutung zu. Mit ihr lässt sich zum Beispiel feststellen, wie hoch die Belastung mit Feinstaub, Stickoxiden oder Ozon ist. Ein im Mast eingebauter Sensor kann außerdem registrieren, wie oft Fahrzeuge und Fußgänger die Stelle passieren. Welche Schlüsse man daraus ziehen kann, wollen Wissenschaftler der Hochschule Karlsruhe und der brasilianischen Universtität Unifebe erforschen. Die Ergebnisse könnten helfen, den Verkehr besser zu lenken und in der Innenstadt zum Beispiel schnell freie Parkplätze zu finden und dadurch Staus und Luftbelastungen zu minimieren. Die Smight-Lichttechnik wird außer in Deutschland auch in Kommunen in Norwegen, Tschechien, in der Schweiz und in der westaustralischen Stadt Caloundra eingesetzt.

Tino Stutz

Der Autor
Tino Stutz ist Leiter Marketing und Kommunikation des Geschäftsbereichs Smight bei der Energie Baden-Württemberg (EnBW) mit Sitz in Karlsruhe

Info: Die Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen liegt mit ihren knapp 17.000 Einwohnern in der klimatisch besonders begünstigten Rheinebene im Landkreis Karlsruhe. Die Umgebung gehört zu den Zonen Südwestdeutschlands. Die lokale Wirtschaft ist von zahlreichen kleinen Unternehmen, Handwerksbetrieben und Freiberuflern geprägt. Die Gemeinde hat sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben. Ein Beispiel ist das solare Nahwärmekonzept des Schul- und Sportzentrums. Derzeit arbeitet die Gemeinde daran, ihre Straßenbeleuchtung auf LED-Technik umzustellen.

Der Landkreis Karlsruhe ist eine wirtschaftlich starke Region im Südwesten Deutschlands und hat 428.000 Einwohner. Die rund 195.000 Erwerbstätigen erwirtschaften ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts der Region „Mittlerer Oberrhein“. Der größte Anteil an Umsatz und Beschäftigung fällt auf mittelständische Betriebe. Forschung und Innovation haben Tradition im Landkreis. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Universität mit Weltruf.

Kommunale Klimapartnerschaften: Das Projekt Bundesprojekt „50 Kommunale Klimapartnerschaften“ stärkt die fachliche Zusammenarbeit deutscher Städte mit Kommunen im globalen Süden in den Bereichen Klimaschutz und Klimaanpassung. Die Partner erarbeiten Handlungsprogramme mit Zielen, Maßnahmen und zugewiesenen Ressourcen für Klimaschutz und Klimaanpassung. Das Projekt ist bei der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) der Engagement Global angesiedelt.