„Elektronisches“ Engagement in den Kommunen braucht mehr Förderung

Junger Flüchtling: Das „digitale Ehrenamt“ schafft gesellschaftlichen Nutzen. Dies zum Beispiel dann, wenn Menschen eine App schreiben, die Migranten den Weg durch den Behördendschungel erleichtert. - Foto: Ernst/Fotolia

Menschen, die in der Freiwilligen Feuerwehr Dienst tun oder sich als Spielplatzpaten engagieren, genießen in der Öffentlichkeit Beachtung und Anerkennung. Anders geht es digitalen „Ehrenämtlern“: Ihre Leistungen für das Gemeinwohl werden bisher kaum wahrgenommen. Eine aktuelle Studie, an der das Kompetenzzentrum Öffentliche IT am Fraunhofer FOKUS beteiligt war, fordert die wirkungsvolle Förderung auch dieses Ehrenamtsbereichs.

Digitales Ehrenamt ist nicht zeit- oder ortsgebunden und lässt sich flexibel in die Lebenswirklichkeit insbesondere junger Menschen einbetten. Das kann deren Engagement für andere Menschen und das Gemeinwohl stärken: Wer zum Beispiel auf dem Weg zur Uni oder zur Arbeit rollstuhlgerechte Orte auf Wheelmap.org markiert, hilft Menschen im Rollstuhl, einfacher durch die Stadt zu kommen. Und die Betreiber von Volunteer Planner, einer Plattform zur Koordinierung von Freiwilligendiensten in Flüchtlingsunterkünften, zeigen eindrucksvoll, was digitale Vernetzung möglich machen kann: Zuletzt wurden mehr als 160.000 ehrenamtlich geleistete Stunden von mehr als 45.000 registrierten Freiwilligen koordiniert. Gesellschaftlichen Nutzen schafft auch, wer zum Beispiel eine App schreibt, die geflüchteten Menschen den Weg durch den Behördendschungel erleichtert.

Doch die Strategien, um solche Entwicklungen zu fördern, die dem Ehrenamt neue Impulse geben, fehlen noch weitgehend. Eine Studie von Betterplace Lab, Wikimedia Deutschland und dem Kompetenzzentrum Öffentliche IT am Fraunhofer FOKUS fordert deswegen vom Bund eine konsequente Förderstrategie in der kommenden Legislaturperiode und zeigt geeignete Handlungsfelder zur Stärkung des digitalen Engagements auf.

Neben der stärkeren gesellschaftlichen und institutionellen Anerkennung und Sensibilisierung für das digitale Engagement halten die Autoren es für erforderlich, bei der Vergabe von Fördermitteln für ehrenamtliche Initiativen den digitalen Strukturwandel zu berücksichtigen und die digitale Transformation im Engagement zu unterstützen. Zudem müssten freie Lizenzen und offene Systeme für Breitenwirkung von digitalem Engagement gefördert werden. Prof. Peter Parycek, Leiter des FOKUS-Kompetenzzentrums fordert: „Wir brauchen eine stärkere Anerkennung des digitalen Engagements in seiner gesellschaftlichen Bedeutung. Dazu gehört auch eine gleichberechtigte Behandlung mit jeder anderen Form des bürgerschaftlichen Engagements.“

Die Untersuchung „Digitales Engagement – Analyse der Förderprogramme auf Bundesebene“ steht unter www.oeffentliche-it.de/publikationen als Download zur Verfügung.